Atem geschieht. Er hebt den Brustkorb, dehnt den Raum, bringt Bewegung in das, was still war. Er ist Fluss, Welle, Kreisen im Immer. Er verlässt den Körper und kehrt zurück, unaufhörlich, als wüsste er den Weg von allein.
Doch zwischen zwei Atemzügen liegt ein Moment, der anders ist. Kein Ein, kein Aus. Eine Stille, so schmal, dass sie fast unbemerkt bleibt. Sie hält den Atem nicht fest und drängt ihn nicht fort. Sie ist nur da, unscheinbar, unbeweglich – und doch voller Gegenwart.
Atem trägt hinaus in die Welt. Die Pause zieht zurück ins Innere. Atem ist Bewegung, die nach vorn strebt. Die Pause ist Verweilen, das keinen Ort braucht. Zwei Gegensätze, die nicht trennen, sondern sich im Kreis berühren.
Der Atem kann laut werden, schwer, hörbar wie ein Signal. Die Pause bleibt leise, fast unsichtbar. Sie geschieht, ohne dass man sie sucht. Und gerade dort, wo nichts geschieht, offenbart sich das Ganze.
Die Bewegung des Atems ist vertraut. Sie begleitet seit Geburt, unaufhörlich, zuverlässig. Doch die Stille zwischen den Zügen ist wie ein ungeschriebener Satz. Sie spricht nicht – und macht dadurch hörbar, was jenseits von Worten liegt.
Wer die Pause wahrnimmt, erkennt, dass sie kein Ende ist. Sie ist Anfang. Aus ihr geht der nächste Atem hervor, so selbstverständlich, dass er neu wirkt. Ohne Pause kein Rhythmus. Ohne Rhythmus kein Leben.
So zeigt sich Achtsamkeit nicht nur im Atem selbst, sondern im Dazwischen. Im Schweigen, das trägt. Im kurzen Augenblick, in dem Zeit stillsteht. Dort, wo nichts zu tun ist – und doch alles geschieht.
Die Pause zwischen zwei Atemzügen ist unscheinbar. Doch sie erinnert daran, dass selbst im beständigen Fluss des Lebens ein Raum für Stille bleibt. Nicht als Abbruch, sondern als Mitte.
Und vielleicht ist es genau dieser Zwischenraum, der uns lehrt: dass Achtsamkeit nicht im Tun wohnt, sondern im Sein.
