Es gibt Dinge, die trägt man so lange mit sich,
dass man vergessen hat,
wie es war, als sie noch nicht da waren.
Sie haben keine klare Form,
keinen Namen,
keinen Anfang,
und doch begleiten sie jeden Schritt –
nicht als sichtbare Spur,
sondern als leiser Widerstand unter der Oberfläche,
als ein leichtes Nachgeben im Atem,
als eine Müdigkeit, die nicht von gestern kommt,
sondern von dem, was nie ausgesprochen wurde.
Es sind keine Geschichten, die man erzählen könnte.
Keine Erinnerungen, die man ausbreiten, ordnen oder ablegen dürfte.
Es ist eher wie ein feiner Druck,
der sich über Jahre hinweg so tief in den Körper eingeschrieben hat,
dass man gar nicht mehr spürt, wo er endet
und wo man selbst beginnt.
Und wenn dann jemand sagt, man wirke still –
dann ist es nicht falsch,
aber es ist auch nicht ganz wahr.
Denn diese Stille ist nicht leer.
Sie ist gefüllt mit allem,
was man gelernt hat, nicht zu zeigen.
Mit den Fragen, die man nie gestellt hat,
weil man keine Antwort wollte.
Mit dem Schweigen, das manchmal schwerer wog als Worte.
Mit dem Wunsch, leicht zu sein –
und dem Wissen, dass man es nicht ist.
Manchmal denke ich,
dass man es sehen müsste.
Dass es doch irgendwo sichtbar sein muss –
in der Art, wie ich mich halte,
wie ich zuhöre,
wie ich manchmal länger brauche,
um Ja zu sagen zu etwas, das für andere leicht ist.
Aber die meisten Menschen hören nur auf das,
was laut ist.
Und das hier ist still.
Nicht verschwunden.
Nicht gelöst.
Nur gut verborgen.
Man trägt es mit sich –
auch wenn es niemand sieht.“
