Achtsamkeit · Zwischen Atem und Anforderung
Es gibt Tage, da scheint die Welt an allen Fäden zu ziehen,
als wollte sie dich auseinanderreißen in Aufgaben, Rollen,
Erwartungen, Antworten.
Du spürst, wie du dich im Strudel verlierst –
nicht, weil du nicht stark genug wärst,
sondern weil das Ziehen lauter ist als dein eigener Takt.
Und irgendwo zwischen diesen Zerrkräften
liegt ein schmaler Ort, der dich noch kennt.
Er ruft nicht. Er erklärt nicht.
Er ist einfach da.
Manchmal findest du ihn im Atem,
manchmal im Blick auf etwas, das bleibt,
während alles andere sich bewegt.
Ein Wassertropfen auf dem Fensterglas,
ein Fetzen Licht an der Wand,
das gleichmäßige Klopfen deines Herzens.
Dort ist der Moment.
Nicht größer als ein Atemzug,
aber weit genug,
um dich ganz hineinzustellen.
Und wenn du wieder gehst,
trägt er dich –
wie eine unsichtbare Hand,
die nicht festhält,
aber begleitet.
Manchmal ist der Moment nicht das Ziel, sondern der Ort, von dem aus du wieder losgehen kannst.
