Manchmal muss man sich selbst beschreiben, um zu verstehen, warum man nicht gesehen wird.

In Räumen, in denen alle reden, höre ich zu. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte. Sondern weil zwischen den Worten oft mehr liegt als in ihnen.
Ich spüre, wenn sich eine Stimmung kippt. Wenn jemand lächelt, aber die Augen nicht mitmachen. Wenn ein Satz endet, aber der Gedanke dahinter weiterwirkt. Es zeigt sich in einer Pause, in der Art, wie jemand wegschaut, in einer Frage, die nie gestellt wird.
Zwischen Worten und Wahrheit
Wenn etwas nicht echt ist, merke ich es. Nicht sofort. Aber es bleibt. Wie ein Nachgeschmack, der nicht vergeht. Ich nehme nichts als selbstverständlich, weil ich gelernt habe: Was oberflächlich glatt wirkt, trägt manchmal die tiefsten Risse.
Wenn Stille zur Stärke wird
Ich halte mich zurück, wenn Worte nicht ausreichen würden. Wenn das, was ich spüre, keinen Namen hat, den andere verstehen. Dann bleibe ich still. Nicht aus Schwäche. Aus Klarheit.
Ich gehe, wenn ich merke, dass ich kleiner gemacht werde. Nicht laut. Nicht als Statement. Ich gehe, weil ich weiß: Bleiben würde bedeuten, mich selbst zu verlieren.
Und wenn später über mich gesprochen wird – in Worten, die nicht meine sind – schweige ich trotzdem. Nicht, weil ich keine Antwort hätte. Sondern weil ich gelernt habe: Manche Geschichten kann man nicht korrigieren. Man kann nur aufhören, sie zu nähren.
Manchmal sehe ich aus einer anderen Richtung. Nicht höher. Nicht weiter. Nur anders. Und das reicht, um nicht zu passen.
Ich wirke nicht fremd, weil ich anders bin – sondern weil ich mich nicht verstelle, um zu passen.
