Es gibt Tage, da scheint der Geist unermüdlich zu sprechen. Ein Strom aus Gedanken, Zweifeln, Erinnerungen, Listen, Bildern. Ein inneres Radio, das sich nicht ausschalten lässt. Und irgendwann fragst du dich: Wer hört da eigentlich zu?
Viele von uns verwechseln das ständige Denken mit sich selbst. Doch Gedanken sind nicht unser Wesen – sie sind Gäste. Flüchtig, laut, hartnäckig, mitunter hilfreich, oft wiederkehrend. Aber sie wohnen nicht in uns. Sie ziehen durch uns hindurch.
Der Kopf ist laut. Das Selbst ist still.
Diese Erkenntnis kommt oft nicht plötzlich, sondern tastend – in einem Moment der Stille, beim Blick in den Himmel, im Innehalten zwischen zwei Sätzen. Es ist nicht spektakulär. Es ist leise. Aber kraftvoll. Wie ein erster Atemzug nach einem Sturm.
Vielleicht beginnt es damit, dass du bemerkst: „Da ist ein Gedanke.“
Und nicht mehr: „Ich bin dieser Gedanke.“
Das ist der Beginn innerer Freiheit.
Wenn du beginnst, zuzuschauen statt mitzulaufen. Zu lauschen statt sofort zu reagieren. Beobachten statt dich zu verstricken.
Wer bist du also, wenn der Monolog im Inneren verstummt?
Nicht leer. Sondern weit. Offen. Ein stiller Raum, in dem nicht mehr alles benannt, eingeordnet, erklärt werden muss. Ein Ort, an dem du nicht funktionieren musst. Sondern einfach bist.
Das innere Beobachten ist keine Technik, kein Ziel. Es ist ein Angebot – sanft und geduldig. Du musst es nicht beherrschen. Es reicht, es zu bemerken. Immer wieder. Ohne Bewertung.
Denn du bist nicht dein Kopf.
Du bist das Bewusstsein, das ihn wahrnimmt.
Manchmal wird es erst still, wenn wir aufhören, dem Lärm zuzuhören.
Fragen zur Selbstreflexion
Für einen Moment des Innehaltens:
- Wann sind meine Gedanken besonders laut?
- Was passiert, wenn ich einen Gedanken einfach nur wahrnehme, ohne auf ihn zu reagieren?
- Wie fühlt sich ein Augenblick an, in dem mein innerer Kommentar still wird?
- Wer bin ich, wenn ich nicht alles benenne, erkläre oder bewerte?
Ein Gedanke zum Schluss
„Ich darf Gedanken vorbeiziehen lassen, ohne mitzugehen.
In der Stille finde ich mich – nicht im Lärm meines Verstandes.“
